Sebald-Forum

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Start: 4. September 2006


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Eintrag 47 vom 22.05.2008 um 20:47:37
Name:Anon.
Eintrag:Ich glaube ja, zumal das Klirren, von dem das kommende Pfingstfest begleitet sein soll, doch wohl das Klirren von Waffen ist.

Ich habe erst gedacht, der "Buchstabe" sei das alttestamentliche Gesetz, insbesondere der Dekalog. So hat es Adelungs Wörterbuch (Stichworte Buchstab und Gesetz). Müntzer war ja von Haus aus Theologe.
"Nicht immer die Zehn Gebote im Mund führen", das klingt wirklich als sollte man nicht nur reden, sondern handeln, eventuell auch mit Gewalt.
Dazu passt auch die Nennung der sechsten Posaune und die Spekulationen über die Konjunktion von Mars und Saturn, die das Erscheinen eines neuen Messias ankündigt (S. 30, Fischer-Taschenbuch). Auch Hans Böhm, der Pauker von Niklashausen, an den sich Grünewald erinnert, hat sich ja gegen die kath. Kirche gestellt und ein neues Reich Gottes geplant, in dem es den "einfachen Leuten" besser gehen sollte.

Die sechste Posaune ist sicherlich die sechste Posaune der Johannes-Apokalypse (Offb 9, 13 ff.). In der modernen Lutherbibel (1984) und auch in der revidierten Elberfelder heißt es in 9, 17-19 "17 Und so sah ich in dieser Erscheinung die Rosse und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und blaue und schwefelgelbe Panzer, und die Häupter der Rosse waren wie die Häupter der Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel. 18 Von diesen drei Plagen wurde getötet der dritte Teil der Menschen, von dem Feuer und Rauch und Schwefel, der aus ihren Mäulern kam. 19 Denn die Kraft der Rosse war in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze waren den Schlangen gleich und hatten Häupter, und mit denen taten sie Schaden." Damit wäre ein gewisser Bezug zum Maul im folgenden Satz in "Nach der Natur".
Andere Übersetzungen, z. B. Luther 1545 und Luther 1912 haben aber dort Mund statt Maul.
Das könnte dann auch bedeuten: Schluss mit den Worten, her mit Feuer, Rauch und Schwert.

Eintrag 46 vom 21.05.2008 um 14:02:12
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Erst einmal herzlichen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, mir zu antworten. Eine ausgesprochen große Hilfe.

Nun gibt es noch eine Sache aus "Nach der Natur":

S. 29

"Denn die sechste
Posaune sei im Schwange und es müsse
der arme Buchstabe ausgelassen werden
aus dem Maul."

Der arme Buchstabe ausgelassen werden aus dem Maul? So etwa wie "so es geht es nicht mehr weiter und man müsste nun endlich die Fäuste heben?"

Eintrag 45 vom 21.05.2008 um 01:27:39
Name:Anon.
Eintrag:Hieratisch heißt lt. Duden priesterlich, heilige Gebräuche oder Heiligtümer betreffend.
"Zu heiligen Gebräuchen bestimmt", "dem Bereich des Heiligen zugehörig", vielleicht sogar schlicht ehrwürdig oder heilig könnten hier sinnvolle Umschreibungen sein.

Eine interessante Webseite zum Antoniter-Kloster und -Spital in Isenheim befindet sich hier:
http://www.joerg-sieger.de/isenheim.htm

Eintrag 44 vom 20.05.2008 um 09:10:56
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Nach der Natur [Fischer, S. 21]

Hat jemand Ahnung, was mit "hieratische Zeugen des Bösen" gemeint ist? Zeugen des Bösen ist klar, aber hieratisch?

"Die Behandlung der bei ihrer Ankunft
im Spital meist halb schon zerstörten
Kranken ging dahin, daß sie
als hieratische Zeugen des Bösen
zuerst vor den Altar im Chorschiff geführt,
auf den Namen Märtyrer Gottes getauft und so,
gewissermaßen und trotz und samt ihrer Perversion
in den Umkreis des Heils eingebracht wurden."

Eintrag 43 vom 07.05.2008 um 10:48:58
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Nach der Natur
Irgendwie erscheint mir, dass hinter "Fungisi" etwas andere steckt als der Plurar von Fungus, der sowieso "Fungi" lautet.

"Eine lange Reihe winziger Schrecken
aus der ersten und zweiten Vergangenheit,
nicht übersetzbar in die gesprochene
Sprache der Gegenwart, bleiben sie
ein lückenhaftes corpus bewacht
von Fungisi und dem Schatten des Wolfs."

Eintrag 42 vom 21.04.2008 um 19:25:49
Name:Arno Nüüm
Eintrag:Nachtrag zum aufgeschwanzt.
Ich habe noch im Küpper, Wörterbuch der deutschen Umgangssprache nachgesehen.
Dort findet man auch die Bedeutung "sich aufputzen, elegant herrichten", "etwas stattlich zurichten" für "aufschwänzeln" und "aufschwanzen".
Die Übersetzung "gaudily dressed" scheint demnach nicht unplausibel, plausibler jedenfalls beim zweiten Nachdenken als eine gekrümmte Haltung wie ein Fisch oder eine Nixe.

Aufschwanzen hat auch die Bedeutung "jemanden antreiben" und "jemanden rügen", aber beides kommt hier wohl nicht in Betracht.

Eintrag 41 vom 21.04.2008 um 19:07:05
Name:Arno Nüüm
Eintrag:Der Satz mit den Astra (Sterne) könnte sich auf einen Traktat des Paracelsus beziehen, siehe
http://preview.tinyurl.com/4w5dnj
(www.zeno.org, da steht der Text)
der so beginnt:
"Wenn nun der Mensch in seiner Zusammensetzung in jeder Hinsicht betrachtet werden soll, so wisset erstlich zu erkennen, wie ihr die corpora des Firmaments im Leibe des Mikrokosmos nach ihrer Statt verstehen sollt. Denn die astra im Leibe haben ihre Eigenschaft, Art, Wesen, Natur, Lauf. Stand, Teil gleich den äußeren, allein in der Form von jenen unterschieden, das ist: in der Substanz. Denn so wie es im Aether ist, so ist es im Mikrokosmos, und in der Natur sind beide ein Ding und ein Wesen."
Also irgendeine frühe medizinische (?) oder philosophische Vorstellung über "innere Gestirne" im Menschen.

Wasser im Leib, Wasser in den Beinen:
Ich glaube auch, dass das mit früher populären Vorstellungen über Herz(?)-Krankheiten zusammenhängt. Wenn das Wasser weiter im Körper steigt, stirbt der Kranke bald.

Eintrag 40 vom 21.04.2008 um 07:48:52
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:NACH DER NATUR (Fortsetzung). Noch 2 Fragen zum Steller/Bering-Teil.

XIV
Im Sterben verlieren die astra
im Leib ihre Eigenschaft, ihre Art, ihre Substanz
und ihr Wesen, denkt Steller, der Arzt,
was tot ist, ist nimmer lebendig.

Was könnte hier mit "astra" gemeint sein? Sowohl in der frz. als auch in der engl. Buchübersetzung ist es als "astra" übernommen worden.

XV
Vier Männer brachten Bering, dem das Wasser
nach und nach bis in den Leib gestiegen war,
auf einem aus Stricken gefertigten Sitz an Land.

Laut dem Wahrig-WB: Wasser in den Beinen, im Leib haben bedeutet krankhafte Wasseransammlung in den Geweben der B., des L.
Könnte es hier zutreffen?

Eintrag 39 vom 14.04.2008 um 22:11:18
Name:Arno Nühm
Eintrag:Adelungs Wörterbuch sieht das genauso wie die Encyclopädie von Krünitz:
"Aufschwänzen, verb. reg. act. den Schwanz in die Höhe binden. Ein Pferd aufschwänzen, in Oberdeutschland aufschweifen. In den Küchen werden die Fische aufgeschwänzet, wenn man sie bey dem Anrichten so zusammen krümmet, daß sie das Maul mit dem Schwanze berühren. Daher die Aufschwänzung."
Also die Nixen-Metapher

Eintrag 38 vom 14.04.2008 um 20:47:24
Name:distler anton
Herkunft:deutschland / schweiz
Eintrag:klar sieht man die nixenmetapher vor augen. hier im bild kann die "flosse" aber auch gut und stimmig die "hand" sein, sagt man auch umgangssprachlich zur hand die flosse (hoch, weg, etc.). das erotisch aufgeladene "aufgeschwanzt" würde ich nicht auf die (bildliche) körperhaltung bezogen lesen, sondern vielmehr als eigenschaftswort bezüglich der emotiven verfasstheit der frau.

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