Sebald-Forum

Willkommen!
Welcome!
Start: 4. September 2006


Liste der Einträge:

Seite:
  1. [Seite 12] Eintrag 110 bis 119
  2. [Seite 11] Eintrag 100 bis 109
  3. ... Indexleiste gekürzt für die Einträge 90 bis 99
  4. [Seite 9] Eintrag 80 bis 89
  5. [Seite 8] Eintrag 70 bis 79
  6. [Seite 7] Eintrag 60 bis 69
  7. [Seite 6] Eintrag 50 bis 59
  8. [Seite 5] Eintrag 40 bis 49
  9. [Seite 4] Eintrag 30 bis 39
  10. [Seite 3] Eintrag 20 bis 29
  11. [Seite 2] Eintrag 10 bis 19
  12. [Seite 1] Eintrag 1 bis 9
Eintrag 49 vom 10.06.2008 um 14:48:20
Name:Bruno Rub
Herkunft:Ennetbaden, Schweiz
Eintrag:Gratulation zu dieser hervorragend gemachten Website für einen ganz Grossen der neueren deutschen Literatur! - Da ich mich auch lokalhistorisch betätige, interessiere ich mich für die beiden Bemerkungen in "Die Ringe des Saturn" (Fischer-TB-Ausgabe p.99 und p.106) betr. den Panikanfall in Baden in der Schweiz. Das muss im Sommer 1991 gewesen sein. Weiss jemand dazu etwas Näheres? Ich könnte dann quasi "vor Ort" weiterforschen.

Eintrag 48 vom 22.05.2008 um 20:53:52
Name:Anon.
Eintrag:Aber dann habe ich beim Googeln eine (bearbeitete?) Ausgabe des Prager Manifests (1521) von Müntzer gefunden
(hier: http://www.philos-website.de/index_g.htm ).
Dort fällt der Satz "Sie [viele christliche Prediger] haben (zwar) den armen Buchstaben im Maul, aber das Herz ist wohl über hunderttausend Meilen davon entfernt." Mir scheint, Müntzer grenzt hier das platte Wiederkäuen der biblischen Texte von einer von tieferem Verständnis geleiteten Verkündigung ab, mit der man dem Volk die Bibel so nahebringt, dass sie etwas damit anfangen können.
Wahrscheinlich ist es dann doch Zufall, dass in in der Stelle von der sechsten Posaune, Offb 9, die Pferde Feuer, Rauch und Schwefel im Maul haben.

Aber letztlich läuft wahrscheinlich beides auf dasselbe hinaus, egal was man sich genau unter dem "Buchstaben" vorstellt.

Eintrag 47 vom 22.05.2008 um 20:47:37
Name:Anon.
Eintrag:Ich glaube ja, zumal das Klirren, von dem das kommende Pfingstfest begleitet sein soll, doch wohl das Klirren von Waffen ist.

Ich habe erst gedacht, der "Buchstabe" sei das alttestamentliche Gesetz, insbesondere der Dekalog. So hat es Adelungs Wörterbuch (Stichworte Buchstab und Gesetz). Müntzer war ja von Haus aus Theologe.
"Nicht immer die Zehn Gebote im Mund führen", das klingt wirklich als sollte man nicht nur reden, sondern handeln, eventuell auch mit Gewalt.
Dazu passt auch die Nennung der sechsten Posaune und die Spekulationen über die Konjunktion von Mars und Saturn, die das Erscheinen eines neuen Messias ankündigt (S. 30, Fischer-Taschenbuch). Auch Hans Böhm, der Pauker von Niklashausen, an den sich Grünewald erinnert, hat sich ja gegen die kath. Kirche gestellt und ein neues Reich Gottes geplant, in dem es den "einfachen Leuten" besser gehen sollte.

Die sechste Posaune ist sicherlich die sechste Posaune der Johannes-Apokalypse (Offb 9, 13 ff.). In der modernen Lutherbibel (1984) und auch in der revidierten Elberfelder heißt es in 9, 17-19 "17 Und so sah ich in dieser Erscheinung die Rosse und die darauf saßen: Sie hatten feuerrote und blaue und schwefelgelbe Panzer, und die Häupter der Rosse waren wie die Häupter der Löwen, und aus ihren Mäulern kam Feuer und Rauch und Schwefel. 18 Von diesen drei Plagen wurde getötet der dritte Teil der Menschen, von dem Feuer und Rauch und Schwefel, der aus ihren Mäulern kam. 19 Denn die Kraft der Rosse war in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze waren den Schlangen gleich und hatten Häupter, und mit denen taten sie Schaden." Damit wäre ein gewisser Bezug zum Maul im folgenden Satz in "Nach der Natur".
Andere Übersetzungen, z. B. Luther 1545 und Luther 1912 haben aber dort Mund statt Maul.
Das könnte dann auch bedeuten: Schluss mit den Worten, her mit Feuer, Rauch und Schwert.

Eintrag 46 vom 21.05.2008 um 14:02:12
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Erst einmal herzlichen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, mir zu antworten. Eine ausgesprochen große Hilfe.

Nun gibt es noch eine Sache aus "Nach der Natur":

S. 29

"Denn die sechste
Posaune sei im Schwange und es müsse
der arme Buchstabe ausgelassen werden
aus dem Maul."

Der arme Buchstabe ausgelassen werden aus dem Maul? So etwa wie "so es geht es nicht mehr weiter und man müsste nun endlich die Fäuste heben?"

Eintrag 45 vom 21.05.2008 um 01:27:39
Name:Anon.
Eintrag:Hieratisch heißt lt. Duden priesterlich, heilige Gebräuche oder Heiligtümer betreffend.
"Zu heiligen Gebräuchen bestimmt", "dem Bereich des Heiligen zugehörig", vielleicht sogar schlicht ehrwürdig oder heilig könnten hier sinnvolle Umschreibungen sein.

Eine interessante Webseite zum Antoniter-Kloster und -Spital in Isenheim befindet sich hier:
http://www.joerg-sieger.de/isenheim.htm

Eintrag 44 vom 20.05.2008 um 09:10:56
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Nach der Natur [Fischer, S. 21]

Hat jemand Ahnung, was mit "hieratische Zeugen des Bösen" gemeint ist? Zeugen des Bösen ist klar, aber hieratisch?

"Die Behandlung der bei ihrer Ankunft
im Spital meist halb schon zerstörten
Kranken ging dahin, daß sie
als hieratische Zeugen des Bösen
zuerst vor den Altar im Chorschiff geführt,
auf den Namen Märtyrer Gottes getauft und so,
gewissermaßen und trotz und samt ihrer Perversion
in den Umkreis des Heils eingebracht wurden."

Eintrag 43 vom 07.05.2008 um 10:48:58
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:Nach der Natur
Irgendwie erscheint mir, dass hinter "Fungisi" etwas andere steckt als der Plurar von Fungus, der sowieso "Fungi" lautet.

"Eine lange Reihe winziger Schrecken
aus der ersten und zweiten Vergangenheit,
nicht übersetzbar in die gesprochene
Sprache der Gegenwart, bleiben sie
ein lückenhaftes corpus bewacht
von Fungisi und dem Schatten des Wolfs."

Eintrag 42 vom 21.04.2008 um 19:25:49
Name:Arno Nüüm
Eintrag:Nachtrag zum aufgeschwanzt.
Ich habe noch im Küpper, Wörterbuch der deutschen Umgangssprache nachgesehen.
Dort findet man auch die Bedeutung "sich aufputzen, elegant herrichten", "etwas stattlich zurichten" für "aufschwänzeln" und "aufschwanzen".
Die Übersetzung "gaudily dressed" scheint demnach nicht unplausibel, plausibler jedenfalls beim zweiten Nachdenken als eine gekrümmte Haltung wie ein Fisch oder eine Nixe.

Aufschwanzen hat auch die Bedeutung "jemanden antreiben" und "jemanden rügen", aber beides kommt hier wohl nicht in Betracht.

Eintrag 41 vom 21.04.2008 um 19:07:05
Name:Arno Nüüm
Eintrag:Der Satz mit den Astra (Sterne) könnte sich auf einen Traktat des Paracelsus beziehen, siehe
http://preview.tinyurl.com/4w5dnj
(www.zeno.org, da steht der Text)
der so beginnt:
"Wenn nun der Mensch in seiner Zusammensetzung in jeder Hinsicht betrachtet werden soll, so wisset erstlich zu erkennen, wie ihr die corpora des Firmaments im Leibe des Mikrokosmos nach ihrer Statt verstehen sollt. Denn die astra im Leibe haben ihre Eigenschaft, Art, Wesen, Natur, Lauf. Stand, Teil gleich den äußeren, allein in der Form von jenen unterschieden, das ist: in der Substanz. Denn so wie es im Aether ist, so ist es im Mikrokosmos, und in der Natur sind beide ein Ding und ein Wesen."
Also irgendeine frühe medizinische (?) oder philosophische Vorstellung über "innere Gestirne" im Menschen.

Wasser im Leib, Wasser in den Beinen:
Ich glaube auch, dass das mit früher populären Vorstellungen über Herz(?)-Krankheiten zusammenhängt. Wenn das Wasser weiter im Körper steigt, stirbt der Kranke bald.

Eintrag 40 vom 21.04.2008 um 07:48:52
Name:Iannis Kalifatidis
Eintrag:NACH DER NATUR (Fortsetzung). Noch 2 Fragen zum Steller/Bering-Teil.

XIV
Im Sterben verlieren die astra
im Leib ihre Eigenschaft, ihre Art, ihre Substanz
und ihr Wesen, denkt Steller, der Arzt,
was tot ist, ist nimmer lebendig.

Was könnte hier mit "astra" gemeint sein? Sowohl in der frz. als auch in der engl. Buchübersetzung ist es als "astra" übernommen worden.

XV
Vier Männer brachten Bering, dem das Wasser
nach und nach bis in den Leib gestiegen war,
auf einem aus Stricken gefertigten Sitz an Land.

Laut dem Wahrig-WB: Wasser in den Beinen, im Leib haben bedeutet krankhafte Wasseransammlung in den Geweben der B., des L.
Könnte es hier zutreffen?

Seite:
  1. [Seite 12] Eintrag 110 bis 119
  2. [Seite 11] Eintrag 100 bis 109
  3. ... Indexleiste gekürzt für die Einträge 90 bis 99
  4. [Seite 9] Eintrag 80 bis 89
  5. [Seite 8] Eintrag 70 bis 79
  6. [Seite 7] Eintrag 60 bis 69
  7. [Seite 6] Eintrag 50 bis 59
  8. [Seite 5] Eintrag 40 bis 49
  9. [Seite 4] Eintrag 30 bis 39
  10. [Seite 3] Eintrag 20 bis 29
  11. [Seite 2] Eintrag 10 bis 19
  12. [Seite 1] Eintrag 1 bis 9


Ein kostenloses Gästebuch von: https://www.onlex.de